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Redebeitrag: Demonstration 28. März "Wir zahlen nicht für Eure Krise!""Liebe Gewerkschafterinnen, liebe Anarchisten, Sozialdemokraten, Arbeiter und tanzende Leute! Wir sind heute hier, weil wir dem angezählten, aber noch viel zu starken Kapitalismus, eins vor den angesabberten Latz knallen wollen. Wir sind hier, weil wir genug von Niedriglöhnen, zunehmendem Effizienz-Druck auf der Arbeit, prekärer Beschäftigung, Erwerbslosigkeit und den schäbigen Almosen namens Hartz IV haben. Wir sind hier, weil wir die Ungerechtigkeit beenden und Reichtum neu verteilen wollen. Wir sind hier, weil wir nicht einsehen, dass Milliarden in den Fortbestand des Kapitalismus gepumpt werden, nur damit wir später genauso beschissen ausgebeutet werden. Wir sind hier wegen der Krise – doch diese Krise heißt Kapitalismus! Doch wer oder was ist denn eigentlich dieser Kapitalismus? Ist es der Börsenfuzzi, der mit irgendwelchen Aktien rumhantiert? Oder ist es der Staat, der genau diesen Kapitalismus schützt, stützt und mit seinen Gesetzen aufrecht erhält? Wir sehen, Kapitalismus ist eine ganz schön komplexe Sache. Das denken sich wahrscheinlich auch die Leute, die momentan mit irrsinnigen 18 Prozent die FDP wählen würden, obwohl diese Partei immer genau das System propagiert hat, das jetzt gegen die Wand fährt. Aber solche Leute finden es wahrscheinlich auch gut, dass ihnen jetzt Bundespräsident Horst Köhler Tipps geben will, wie wir aus dem Schlamassel rauskommen. Auch wenn er noch vor ein paar Jahren Chef des Internationalen Währungsfond war, und immer genau das System propagiert, das jetzt gegen die Wand fährt. Und diese 18 Prozent finden wahrscheinlich auch Typen wie Hans-Olaf Henkel, Dieter Hundt und die ganzen anderen TV-Kapitalisten gut, die jetzt als Krisen-Experten durch die Talkshows tingeln. Und das obwohl sie es sind, die immer noch das System propagieren, dass gerade an die Wand fährt. Wir sollten all diesen Typen nicht mehr glauben. Der CDU und der FDP sowieso nicht. Aber auch nicht den Heißluftgerechtigkeitsaposteln von der Sozialdemokratie. Nicht den Grünen. Und auch nicht der Linkspartei. Die klingt zwar ganz nett, doch wenn sie an der Regierung ist, bleibt nichts übrig von ihrem Sozialismus. Leider können wir auch nicht den Gewerkschaftsbossen glauben. Denn die sitzen viel zu oft auf dem Schoß der Mächtigen. Im Zweifelsfall ziehen die lieber eine kleine medienwirksame PR-Show durch als endlich mal die Arbeiternehmer zu unterstützen und einen ordentlichen Streik vom Zaun zu brechen. Es sieht also düster aus: Politik und Kapital wollen mit unserem Geld dieses ausbeuterische, gewalttätige System retten. Und alle machen mit. Wir aber, wir aber machen nicht mehr mit! Was machen wir also um den Kapitalismus zu ändern - oder besser noch – ihn ganz abzuschaffen? Wir müssen uns verbünden. Wir müssen reden. Wir müssen uns zusammentun. Denn letztlich sitzen der Opel-Arbeiter, der Lidl-Kassierer, die BVG-Busfahrerin, der erwerbslose Nachbar, der Werbefuzzi aus der Agentur, das Rütli-Kind und der Mittelschicht-Student da hinten in einem Boot. Wir sind also gar nicht so weit auseinander, wir haben ähnliche Interessen. Das müssen wir uns klarmachen, damit wir nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden. Denn das Motto des Kapitalismus ist: gegeneinander. Wir sagen jetzt: miteinander gegen – den Kapitalismus. Und wie geht das? Redet mit Menschen, die in ähnlichen Situationen sind, wie ihr. Sucht nach neuen Ideen zusammen mit Menschen, die Alternativen denken und leben wollen. Organisiert euch mit Leuten, die für ähnliche Ziele kämpfen. Solidarisiert euch mit Leuten, die streiken, protestieren oder sich für ein schönes Leben einsetzen. Wenn das gelingt, wird es schwieriger für die Arbeitgeberverbände, Konzerne Wenn es uns gelingt Alternativen aufzuzeigen, werden wir dem Staat, der uns mit immer mehr Kontrolle, Überwachung und Bullen versucht in Schach zu halten, endlich mal zeigen, was wir draufhaben. Wenn uns das gelingt, dann wird es bald überall wieder mehr Gerechtigkeit, Freiheit und Freiräume geben. Dann wird das schöne Leben irgendwann wirklich für alle möglich sein. Jetzt kann man natürlich rufen: Ist doch alles unrealistisch, eure ganze schöne Revolution ist doch total utopisch, ihr redet von Anarchie und kauft Euch Schuhe von Nike, - kommt mal klar ihr Träumer und seht der Realität ins Auge. Klar, das kann man so sehen. Und dieser ganze Kapitalismus ist ja wirklich ein verdammt kompliziertes System, bei dem man gar nicht weiß, wo man mit dem Protest eigentlich anfangen soll. Aber - wenn wir nicht an die Chance auf Veränderung glauben, dann wird es auch keine Veränderung geben. Wenn wir nicht daran glauben, dass jeder und jede einzelne von uns, etwas zusammen mit anderen bewegen kann, dann wird dieses System nicht nur kapitalistischer, sondern auch autoritärer werden. Wir sind schon auf dem todsicheren Weg in den autoritären Kapitalismus. Er wird uns weder Freiheit, noch Gerechtigkeit bieten. Das ist dann wirklich die mieseste Lösung von allen. Doch jetzt befindet sich der Kapitalismus in der Krise. Er ist schwach wie lange nicht mehr. Und genau deshalb sollten wir jetzt, hier und heute, anfangen diese Welt zu verändern, in dem wir reden, uns verbünden – und dann auch handeln. Heute ist der Auftakt für weitere Proteste. Heute ist der Tag, an dem sich fast die gesamte linke Bewegung zusammengetan hat. Heute ist der Anfang vom Ende des Kapitalismus. Machen wir diesem System ein Ende und holen uns das schöne Leben!" |