Kommando Gerhard Schröder der Hedonistischen Internationale kämpft am Telefon für ein "JA" beim SPD-Mitgliedervotum

Wir dokumentieren an dieser Stelle eine anonyme Einsendung einer bislang unbekannten Sektion "Kommando Gerhard Schröder":

Wir, eine sozialdemokratische Splittergruppe in der Hedonistischen Internationale, haben am vergangenen Dienstag bei mehr als 100 SPD-Mitgliedern und Funktionären angerufen, die als Gegner der Großen Koalition bekannt sind. Wir haben ihnen in aller Deutlichkeit nahegelegt, beim Mitgliederentscheid mit einem „Ja“ zu stimmen. Außerdem hat das Kommando Gerhard Schröder bei den Genossen daraufhin gewirkt, dass diese sich öffentlich zur Großen Koalition bekennen und dem „Nein“ publikumswirksam im Internet und auf den Regionalkonferenzen abschwören.

Um die SPD-Mitglieder auf Linie zu bringen, hat das Kommando Gerhard Schröder ausschließlich Aussagen und Argumente verwendet, mit denen ranghohe Mitglieder der Partei und ihres Vorstandes in den letzten Wochen in den Medien zitiert wurden. Diese Aussagen wurden in den Telefongesprächen mit Willy-Brandt-Zitaten garniert, um sie den Genossen schmackhafter zu machen.

Die Aktion ist Teil einer ganzen Reihe von SPD-Werbemaßnahmen für die Große Koalition. Zuletzt hatte der Parteivorstand Musterreden mit Argumenten für die Große Koalition verschickt. Selbst den Briefwahlunterlagen zum Mitgliedervotum sind umfangreiche Materialien beigelegt, die für ein „Ja“ werben. Und auch auf der Webseite www.spd-mitgliedervotum.de kommen ausschließlich Befürworter der Großen Koalition zu Wort.

Dazu Michael Wiegand, tarifgebundener Call Center Agent des Kommandos Gerhard Schröder: „Beim Mitgliedervotum darf nichts anbrennen. Deshalb haben wir das Vorgehen des Vorstandes konsequent zu Ende gedacht. Das ist lupenreine SPD-Demokratie.“

Das Kommando Gerhard Schröder ist empört über die Reaktionen aus der SPD-Zentrale, welche die Aktion, zumindest öffentlich, verurteilen und gar mit einer Anzeige drohen.

„Im aktuellen Klima in der Partei, gibt es nichts Wichtigeres als Abweichler auf Kurs des Vorstandes zu bringen. Als treue und aufrechte Genossen ist es nur folgerichtig der Generalsekratärin und dem Vorsitzenden Schützenhilfe zu leisten.“

Deshalb müsse die Aktion „Mehr Telefonie wagen!“ jetzt bundesweit fortgesetzt werden:

„Wir rufen alle Demokraten dazu auf, in den nächsten Tagen weitere SPD-Mitglieder am Telefon für ein JA zur Großen Koalition zu überzeugen“ so Michael Wiegand weiter.

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Hintergrund:

- Zeit.de: Drohanrufe im Namen von Andrea Nahles
- Bild.de: Telefonleitung gehackt - Falsche Drohanrufe aus der SPD-Zentrale
- Stern.de: Telefone im Willy-Brandt-Haus manipuliert
- Neues Deutschland: Drohanrufe bei Jusos Satireaktion?
- TAZ 07.12. Interview mit Michael Wiegand